„Die BOB ist ein starker Partner der regionalen Wirtschaft“

Heino Seeger im Interview

Heino Seeger, Regionalleiter Süd

Herr Seeger, die BOB (Bayerische Oberlandbahn) hat sich jahrelang für das Oberland engagiert und sich einen exzellenten Ruf erworben. Droht bei einer Ausschreibung der BOB-Strecken nun das Ende?
Eine Ausschreibung birgt durchaus eine große Gefahr. Denn das Grundproblem ist, dass es auf dem SPNV-Markt derzeit keine Chancengleichheit gibt. Noch immer hat die Deutsche Bahn (DB) einen großen Vorteil, da sie als Großabnehmer günstigere Konditionen bei Fahrzeugherstellern oder Banken sowie bei der Infrastruktur, den Bahnhöfen und der Finanzierung bekommt und aufgrund ihres größeren Geschäftsvolumens, das noch zu einem Großteil aus sehr profitablen Altverträgen besteht, Wettbewerbsprojekte quersubventionieren kann. Ob sie es tatsächlich tut, wissen wir nicht. Deshalb kann man auch nicht von einem fairen Wettbewerb sprechen, wenn dieser ausschließlich über Ausschreibungen sowie Preise und, wie jetzt immer noch, zu ungünstigen Konditionen im Schatten der Finanzkrise ausgetragen werden soll.

Welche Lösungen schlagen Sie vor?
Die gleiche Lösung, die mittlerweile bundesweit diskutiert und auch von unabhängigen Stellen, wie dem Verband deutscher Verkehrsunternehmen, gefordert wird: Dass es mehr Instrumente geben muss, Wettbewerb zu fördern. Und dazu gehören neben Ausschreibungen auch Direktvergaben oder das sogenannte 5-Schritte-Verfahren, bei denen der Aufgabenträger die Möglichkeit hat, auch nach anderen wichtigen Kriterien Strecken zu vergeben. Denn Wettbewerb bedeutet ja nicht, dass ausschließlich der Preis entscheidet, sondern der beste Anbieter gewinnt. Und hier spielen unter anderem auch Zuverlässigkeit, Qualität und Fahrgastzufriedenheit eine Rolle.

Wie sehen Sie hier die Rechtsgrundlage?
Die Rechtslage, ob Direktvergaben zulässig sind oder nicht, wird ja derzeit bundesweit ausgiebig diskutiert. Wir haben uns lange und eingehend damit beschäftigt und unsere Juristen haben uns bestätigt, dass es nach neuem EU-Recht auch jetzt schon möglich ist, direkt zu vergeben. Ich bin davon überzeugt, dass über kurz oder lang die Instrumente zur Förderung des Wettbewerbs erweitert werden. Die BOB war das erste Ausschreibungsprojekt in Bayern und vielleicht wird sie auch hier wieder zum Modellprojekt, wenn es gelingt, aufgrund der besonderen Fahrzeugtechnologie eine Direktvergabe zu erreichen.

Was wären die Vorteile für die Region?
In der BOB steckt noch erhebliches Potenzial, unsere Leistungen zu steigern, das Angebot weiter auszubauen und Bahnfahren noch attraktiver zu machen. Es ist uns in den letzten Jahren gelungen, im Oberland eine wahre Renaissance der Eisenbahn auszulösen und dieses Verkehrsmittel wieder in das Bewusstsein der Menschen zu bringen. Das belegen die Fahrgastzahlen, die heute dreimal so hoch sind als ursprünglich vom Freistaat erhofft. Die Bürgerinnen und Bürger identifizieren sich mit ihrer BOB, was eine einmalige Chance für den SPNV ist und Modellcharakter für andere Regionen hat.

Auf welche Weise unterstützen Sie die Region?
Über den Bahnbetrieb hinaus war die BOB von Anfang an ein starker Partner in der Region. Wir beteiligen uns aktiv an der wirtschaftlichen, kulturellen und touristischen Entwicklung des Bayerischen Oberlandes. Zudem sind wir ein wichtiger Arbeitgeber, sowohl im Fahrdienst als auch mit unserem Bahnbetriebswerk in Lenggries. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind noch immer hoch motiviert. In zahlreichen Kooperationen unterstützen wir die regionale Wirtschaft. Zudem engagieren wir uns für den weiteren Ausbau der Infrastruktur, um die Qualität zu erhöhen und den Mobilitätsbedürfnissen der Region gerecht zu werden. Ob dies ein anderer Betreiber in ähnlichem Umfang leisten wird, ist mehr als fraglich. Deshalb sollte ein solches Erfolgsprojekt wie die BOB, in das die Veolia-Verkehr-Gruppe auch in schwierigen Zeiten viel Geld und Ressourcen investiert hat, nicht gefährdet, sondern gefördert werden.

 

 Interview erschien in nah dran! 1/2010


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