Die bei den privaten Anbietern von Schienenpersonennahverkehr (SNPV) vorherrschende Entgeltstruktur hat sich aus dem kommunalen Nahverkehr entwickelt. Die SPNV-Unternehmen fahren überwiegend in den Verkehrsverbünden, die Arbeitsplätze sind damit mit dem Nahverkehr zu vergleichen und nicht mit Güter- oder Fernverkehr. Aufgrund der Historie aus dem öffentlichen Dienst, verdient bei der DB AG jeder Lokführer das gleiche Gehalt – unabhängig davon, ob er Regional-, Güter- oder Fernverkehr fährt. Dieses historisch gewachsene Lohnniveau ist nicht an Leistungen orientiert, sondern an Zugehörigkeiten. Für die privaten Unternehmen trifft dieses Lohnniveau schlichtweg nicht zu. Für die Beschäftigten muss ein modernes System ausgearbeitet werden, dass die Tätigkeitsbilder in den SPNV-Unternehmen passend abbildet.
Direkter Vergleich der Entgeltstruktur nicht aussagekräftig
Ein direkter Vergleich der Entgeltstrukturen zwischen regionalen privaten Unternehmen und der DB ist nicht aussagekräftig. Das Entgeltniveau der DB basiert auf abweichenden Tätigkeitsbeschreibungen. Im Bereich der DB Regio sind die Lohnstrukturen größtenteils noch durch den DB-Konzern geprägt, der auch Fernverkehrsleistungen und Güterverkehr anbietet. Zudem spiegeln sie das alte Bundesbahnniveau wider. Die Qualifizierungsansprüche an die Arbeitsplätze in den privaten SPNV-Unternehmen haben sich deutlich gewandelt und prägen damit ein anderes Entgeltniveau. Das Tätigkeitsprofil im SPNV hat sich in den letzten Jahren vereinfacht.
Nahverkehr orientiert sich an Qualifizierungsansprüchen und regionalem Lohnniveau
Die Entgelte bei den privaten SPNV-Unternehmen richten sich nach der Qualifizierung des Personals und – aufgrund des Nahverkehrscharakters der Unternehmen – nach dem regional vorherrschenden Lohn- und Lebenshaltungskostenniveau. Die Entgeltstruktur im SPNV spiegelt das regional unterschiedliche Lohnniveau wider, das in Deutschland in allen Branchen – mit Ausnahme des öffentlichen Dienstes – zu beobachten ist.
Ein Vergleich der Entgelte mit der DB Regio wäre daher nur auf regionaler Basis sinnvoll – da bei der DB jedoch bundesweit einheitlich gezahlt wird, ist ein solcher Vergleich schlichtweg nicht möglich. Zudem existiert bei der DB ein komplexeres und gänzlich anders entstandenes Tarifwerk. Das Ziel muss es sein, ein schlankes und übersichtliches System für alle SPNV-Unternehmen zu schaffen, das jeder Mitarbeiter versteht. Deshalb treten die privaten SPNV-Unternehmen für einen gemeinsamen Tarifvertrag ein.