Quantensprung für die Fahrgastinformation

Telematiksystem MoveOn - dynamische Fahrgastinformation

Interview mit Projektingenieur Bernd Stühler

Das Thema „Kundenservice“ hat für Veolia Verkehr oberste Priorität. Deshalb wurde jetzt ein neues Dienstleistungsunternehmen im Telematikbereich gegründet, mit dem die elektronische Fahrgastinformation im Freistaat Bayern einen Quantensprung erfahren soll. Modernste Computertechnik macht es möglich. Das neue Betriebsleitsystem namens MoveOn kommt erstmals in den Zügen der Bayerischen Oberlandbahn (BOB) und der Bayerischen Regiobahn (BRB) zum Einsatz und kann auch von anderen Unternehmen übernommen werden. Mit MoveOn unterstützt Veolia Verkehr ausdrücklich die Telematikinitiative des Freistaates Bayern. Projektingenieur Bernd Stühler erläutert die Hintergründe.


Herr Stühler, was ist die Idee hinter MoveOn?

Ein großes Ärgernis für viele Fahrgäste sind verspätete oder fehlende Informationen bei Störungen im Betriebsablauf. Kommen Bahn oder Bus rechtzeitig, erreiche ich noch meinen Anschluss? Welche alternativen Reisemöglichkeiten gibt es im Störungsfall? Entscheidend für ein modernes System zur Fahrgastinformation ist es, dass die notwendigen Daten zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle sind. Deshalb haben BOB und BRB die Tochtergesellschaft MoveOn Telematik Service (MoveOn) gegründet und im Frühjahr 2009 das Unternehmen PSI Transcom zur Lieferung eines komplett neuen Betriebsleitsystems beauftragt. Diese moderne Computersoftware mit dem Namen MoveOn ist jetzt einsatzreif.

Kann MoveOn auch von anderen Unternehmen genutzt werden?

Natürlich, dies war ja die Grundidee hinter MoveOn. Wir wollen das System allen Verkehrsunternehmen diskriminierungsfrei zur Verfügung stehen. Gewährleistet wird dies durch ein externes Rechenzentrum. Die Lösungen und Schnittstellen des Systems sind offen und erweiterbar konzipiert, so dass bereits vorhandene Schnittstellen und Systeme miteinander vernetzt und eingebunden werden können.

Was bringt das neue System?

Bei keinem anderen Betriebsleitsystem werden Echtzeit- und Prognosedaten im Fahrzeug so angezeigt beziehungsweise an andere Verkehrsunternehmen weitergegeben, wie es mit MoveOn möglich ist. Sogar vorhandene Plandaten von anderen Programmen können übernommen werden. Mit MoveOn lässt sich der Informationsfluss sowohl innerhalb der Verkehrsunternehmen als auch gegenüber den Fahrgästen nachhaltig verbessern. Neben einer fehlerfreien Datenversorgung der Fahrgastinformation sowohl im Zug als auch auf dem Bahnsteig können wir durch die ständige Überwachung der Verkehrslage bei Disposition und Betriebsplanung wesentlich schneller reagieren als bisher. Ein besseres und effizienteres Störfallmanagement wird so erst möglich.

Was bringt MoveOn den Fahrgästen?

Durch die Vernetzung mit dem elektronischen Fahrgastinformations- und Anschlusssicherungssystems des Freistaates Bayern können Fahrgäste sowohl in den Fahrzeugen als auch außerhalb schneller und zuverlässiger informiert werden. Grundvoraussetzung dafür ist der permanente Informationsaustausch der Fahrzeuge und Systeme während des gesamten Betriebes. In der Konsequenz werden die Verkehrsmittel pünktlicher und zuverlässiger, vor allem was die Anschlusssicherung betrifft.

Welche Entwicklungsschritte waren notwendig?

Gemeinsam mit BOB und BRB wurde detailliert ausgearbeitet, wie der tägliche Routinebetrieb auf unseren Strecken und kurzfristige verkehrliche Situationen tatsächlich aussehen. Theorie ist ja das eine, die alltägliche Praxis das andere. Diese Ausarbeitung wurde zur Grundlage für alle weiteren Schritte in der Projektentwicklung und ergänzt durch Details zur Fahrzeugausrüstung, zu EDV-Systemen und zu den Funktionen der Leitstellen. Daraus entwickelt wurde eine virtuelle „Plantafel“ mit Umläufen, Fahrten, Fahrern und Fahrzeugen. Für den Mitarbeiter in der Leitstelle ist sie auf dem Computermonitor das zentrale Bedienelement. Dort bekommt er Konflikte beim Fahrzeugumlauf oder Betriebsprobleme ebenso angezeigt wie den Besetzungsgrad eines Zuges oder die Reichweite eines Fahrzeugs.

Funktioniert das System in allen Fahrzeugtypen?

Wir werden nach und nach alle Triebfahrzeuge von BOB, BRB und in Zukunft des Meridian zwischen München und Salzburg mit dem neuen System ausrüsten. Bei BOB und BRB können mit MoveOn aufgerüstete Fahrzeuge bereits heute mit Fahrzeugen gekuppelt werden, die über ältere Datensysteme verfügen und noch nicht umgerüstet sind. Kompatibilitätsprobleme oder betriebliche Einschränkungen sind nicht zu befürchten. Eine Herausforderung für alle Beteiligten war vor allem die Vernetzung aller vorhandenen Schnittstellen. Dies ist uns inzwischen gelungen. Das System wurde immer wieder optimiert und läuft zu großen Teilen stabil.

 Hintergrundinformation: Dynamische Fahrgastinformation

Ein wichtiges gemeinsames Ziel aller Verkehrsunternehmen ist die Information der Fahrgäste mit aktuellen Daten zum Verkehrsgeschehen und die Sicherung von Anschlüssen. Dazu gibt es so genannte rechnergesteuerte Betriebsleitsysteme (RBL). Damit wird vor allem die Kommunikation zwischen den Fahrzeugen und der Leitstelle gesteuert. Zugleich ermöglichen moderne Systeme einen rechnergestützten Fahrbetrieb sowie Fahrgastinformation in Zügen und Bussen und an Haltestellen sowohl über Mobilfunk oder das Internet. Bei der "dynamischen Fahrgastinformation" findet ein permanenter Datenaustausch statt, so dass den Fahrgästen minutengenau die tatsächlichen Verhältnisse und Fahrzeiten angezeigt werden können.

 

in verkürzter Form nachzulesen in nah dran! 2/2011


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